Von Quanten und Frieden: Quantenphysik in Österreich und ihr Beitrag zur Friedenssicherung
Vortragender: Univ.-Prof. Dipl.-Ing. Dr. Philip Walther |
Quantentechnologien markieren einen grundlegenden technologischen Wandel, der mit der Computerrevolution vergleichbar ist und weitreichende Auswirkungen auf Sicherheit, Gesellschaft und internationale Stabilität haben wird. Sie basieren auf zentralen Prinzipien der Quantenphysik wie Quantisierung und Überlagerung, die es ermöglichen, dass Teilchen mehrere Zustände gleichzeitig einnehmen. Diese Eigenschaften bilden die Grundlage für neue Anwendungen wie Quantencomputing, Quantenkryptographie, hochpräzise Sensorik und Fortschritte in der Materialwissenschaft.
Für die Friedenssicherung bieten Quantentechnologien sowohl neue Chancen als auch erhebliche Risiken. Einerseits eröffnen sie verbesserte Möglichkeiten zur Überwachung, Analyse und Bewertung sicherheitsrelevanter Entwicklungen. Hochsensitive Quantensensoren können beispielsweise präzisere Messungen ermöglichen und so zur Früherkennung von Risiken oder zur Stabilisierung kritischer Infrastrukturen beitragen. Auch im Bereich der Kommunikation spielt die Technologie eine zentrale Rolle: Quantenkryptographie erlaubt eine abhörsichere Datenübertragung, da jeder Abhörversuch physikalisch nachweisbar ist. Dadurch könnten sichere Kommunikationsinfrastrukturen entstehen, die Vertrauen zwischen Staaten und Institutionen stärken.
Andererseits entsteht durch Quantencomputing eine erhebliche Bedrohung für die bestehende globale Sicherheitsarchitektur. Aktuelle Verschlüsselungsverfahren, auf denen nahezu alle digitalen Systeme – von Banken über Regierungen bis hin zu militärischen Strukturen – beruhen, könnten durch leistungsfähige Quantencomputer in kurzer Zeit gebrochen werden. Damit würde die Vertraulichkeit sensibler Informationen massiv gefährdet. Diese Entwicklung hat das Potenzial, bestehende Machtverhältnisse zu verschieben und neue Unsicherheiten zu erzeugen.
Quantentechnologien weisen somit einen ausgeprägten Dual-Use-Charakter auf: Sie können sowohl stabilisierend als auch destabilisierend wirken. Während Quantenkommunikation langfristig zu mehr Sicherheit beitragen kann, könnte der Übergang in eine „Post-Quanten“-Ära zunächst zu erhöhten Risiken führen, solange neue kryptographische Standards noch nicht flächendeckend implementiert sind.
Obwohl sich viele Anwendungen noch im Entwicklungsstadium befinden, sind die Fortschritte dynamisch. Prototypen von Quantencomputern existieren bereits, ebenso erste kommerzielle Anwendungen der Quantenkryptographie. Entwicklungen in Bereichen wie Quanten-KI und satellitengestützter Quantenkommunikation zeigen, dass die Technologie zunehmend praxisrelevant wird. Gleichzeitig bestehen technische Herausforderungen, etwa bei der Übertragung von Quantensignalen über große Distanzen, die derzeit durch Ansätze wie Satellitenkommunikation adressiert werden.
Auch geopolitisch gewinnen Quantentechnologien an Bedeutung. Sie gelten als strategischer Wettbewerbsfaktor, der Einfluss auf wirtschaftliche Stärke, technologische Souveränität und sicherheitspolitische Handlungsfähigkeit hat. Für Europa ergibt sich daraus die Chance, eine führende Rolle einzunehmen und durch gezielte Investitionen in Forschung und Infrastruktur zur globalen Stabilität beizutragen. Gleichzeitig erfordert der Dual-Use-Charakter der Technologie einen verantwortungsvollen Umgang sowie eine sorgfältige Abwägung zwischen Förderung und Regulierung.



