Ergebnisse der IUFE Jahrestagung 2026 | Was bedeutet demografische Schrumpfung? |
Zwei Drittel der Menschen weltweit leben in Ländern mit schrumpfenden Bevölkerungen, die Bevölkerung Deutschlands wird bereits weniger und auch Österreich wird, trotz Zuwanderung, ab etwa 2040 schrumpfen. Sinkende Geburtenraten und Alterung führen zu einem stark sinkenden Anteil der Bevölkerung im arbeitsfähigen Alter und führen zu mannigfachen Herausforderungen. Diese beginnen mit der Anpassung von Sozialsystemen, betreffen das Zusammenleben und die individuelle mentale Gesundheit, Stichwort Einsamkeit, die Aufrechterhaltung von Infrastruktur in Schrumpfungsgemeinden, den dramatischen Mangel an Pflegekräften, besonders für Kurzzeitpflege im ländlichen Raum, sowie Verteilungsfragen, demokratische Repräsentation und ökonomische Entwicklung.
Die IUFE Jahrestagung behandelte zwei dieser zahlreichen Herausforderungen und stelle drei Frage:
- Wie können Wirtschaften trotz schrumpfender Bevölkerungen wachsen?
- Vor welchen Herausforderungen steht die Raumplanung?
- Warum sinken die Geburtenraten weltweit und was könnte getan werden?
Unsere Key Findings:
- Schrumpfung ist Realität und wird auch Österreich betreffen.
- Die Regionen werden nicht gleichermaßen betroffen sein, in schrumpfenden Gemeinden muss es zu Redimensionierungen kommen. Die dort lebende Bevölkerung darf jedoch nicht vergessen werden, Infrastruktur und soziale Leistungen müssen aufrechterhalten werden und die Bevölkerung dabei unterstützt, sich zu organisieren. Für leerstehende Häuser müssen Lösungen entwickelt werden, die für Gemeinde und Besitzer positiv sind. Um die Bevölkerung in schrumpfenden Gemeinden zu versorgen sind jedenfalls neue Wege zu beschreiten, auch mit technischen Lösungen (Telemedizin) oder etwa neuen Wohnformen. Gemeinden müssen mehr kooperieren. Der Umbau von Strukturen bedarf ein aktives Management von Gemeinden. Die Öffnungszeiten von Nahversorgern in Orten müssten verlängert werden, um die arbeitende Bevölkerung auch zu erreichen.
- Zuwanderung kann weder den Arbeitskräftemangel stillen, noch ist sie eine nachhaltige Lösung für die Bevölkerungsschrumpfung, da auch die Geburtenrate migrierter Frauen sinkt.
- Eine nachhaltige Reform des Pensionssystems, die auf die heutigen demografischen Bedingungen eingeht, ist unabdingbar und muss umgehend erfolgen.
- Die sinkende Geburtenrate ist ein weltweites Phänomen, die Entwicklung in Österreich ist nicht landesspezifisch. Sie geht auf den Anstieg der kinderlos bleibenden Menschen zurück, welcher mit dem steigenden Alter bei Erstgeburt korreliert. Aufklärung über Fertilitätsfenster und Anregungen für frühere Familiengründungen könnten helfen, das Alter bei Erstgeburt wieder zu senken.
- IVF und Social Egg Freezing haben, selbst bei staatlicher Finanzierung, keine steigernde Auswirkung auf die Geburtenrate.
- Wirtschaftswachstum ist auch in schrumpfenden Gesellschaften möglich, erwartet wird jedoch ein moderates Niveau, das mit hohen Staatsschulden einhergeht. Der Effekt von neuen Technologien ist jedoch noch nicht absehbar.
- Familienpolitik sollte sowohl dem Wohl der Familien als auch gezielt der Steigerung der Geburtenrate dienen. Barrierefreiheit für Familien, family mainstreaming und keine Schlechterstellung von Eltern im Sozialsystem müssen angedacht werden.
- Europa sollte innovationsfreundlich, leistungsfreundlich und familienfreundlich sein.
Die Zusammenfassung der Vorträge und unsere Take Outs finden Sie hier:



