Institut für UMWELT-FRIEDE-ENTWICKLUNG

Frauen machen Frieden
Veranstaltungsbericht


Die Berichte über die Lage der Frauen in Afghanistan haben vor mehr als zwei Jahren auch in Österreich engagierte Menschen auf den Plan gerufen. Wie Friedensarbeit durch Frauenförderung geleistet werden kann und was gute von gut gemeinten Hilfsprojekten unterscheidet, war am 10. und 11. Oktober Gegenstand eines hochkarätig besetzten Workshops des Instituts für Umwelt-Friede-Entwicklung an und mit der Politischen Akademie der ÖVP in Kooperation mit der Initiative "Frauen für Frauen", der Österreich-Afghanistan-Gesellschaft (ÖAG) und der Gesellschaft zur Unterstützung der Rechte afghanischer Frauen und Kinder (GURAF).


v.l.n.r.:
Gruber (Podium),
Philippi, Stenzel, Rauch-Kallat,
Nader

Die Hoffnungen auf eine friedlichere Welt hätten sich mit dem Ende des Ost-West-Konfliktes nicht erfüllt, es seien gesellschaftliche, wirtschaftliche und politische Rahmenbedingungen, die dem Frieden entgegen stünden, sagte Petra C. Gruber, Geschäftsführerin des Instituts Umwelt-Friede-Entwicklung bei der Eröffnung des Workshops "Frauen machen Frieden".
Wenngleich kriegerische Auseinandersetzungen zunehmend innerstaatlich stattfänden, so hätten sie doch globale Boomerang-Effekte: Ganze Regionen würden in ihrer Entwicklung zurückgeworfen, Menschen in die Flucht geschlagen. "Vorbeugende Maßnahmen retten nicht nur Millionen Menschen das Leben, sondern sparen auch Milliarden Euro ein", sagte Gruber. Basis für den Frieden seien die globalen Menschenrechte und ein gesamtgesellschaftlicher Konsens über diese "Werte ohne Grenzen."

Interkulturelles Verständnis und Respekt bildeten die notwendigen Grundlagen für eine internationale Kooperationskultur und einen "Geist globaler Nachbarschaft". Es brauche zudem ein multilaterales Instrumentarium zur Konfliktprävention. Wenngleich die Formulierung "Mann Macht Krieg - Frauen machen Frieden" überspitzt sei, so sei doch unbestritten, dass die meisten Verbrechen von Männern an Frauen begangen werden - und von Männern vertuscht, verharmlos und ignoriert werden. Gerade in Kriegszeiten erreiche die Gewalt gegen Frauen neue Dimensionen - etwa durch Massenvergewaltigungen, Zwangssterilisationen und Zwangsprostitution. Gruber: "Ganze Generationen von Frauen kennen nichts anderes als Ohnmacht, Schmerz und Krieg." Gewalt sei ein durchaus anerkanntes Mittel, um die Ungleichheit zwischen Mann und Frau aufrecht zu erhalten.

Frauen seien allerdings nicht nur Opfer von Gewalt und Krieg, zahlreiche Berichte zeigten, dass Frauen auch Sicherheit und Frieden stiften würden und sich gegenseitig unterrichteten. Eine vitale Unterstützung der Friedensaktivistinnen sei notwendig, sagte die Geschäftsführerin des Instituts Umwelt-Friede-Entwicklung. "Es gilt, die Vereinten Nationen, die Regierungen und NGOs zu mobilisieren, um den Frauen Zugang zu Ressourcen und Entscheidungsprozessen zu ermöglichen", erklärte Gruber. In diesem Sinn wolle der Workshop "Frauen machen Frieden" einen Beitrag für Hilfe zur Selbsthilfe leisten, denn, so Gruber: "Erst, wenn sich die Frauen sicher fühlen, dann ist es auch die Welt."

Stenzel: EU wird Afghanistan weiter unterstützen

Die Leiterin der ÖVP-Delegation im Europäischen Parlament, Ursula Stenzel, berichtete, das Europäische Parlament verfolge die Entwicklung in Afghanistan mit großer Aufmerksamkeit. Schließlich zähle die EU zu den großen Gebern und lege auf das "institution building" und auf demokratische Strukturen großen Wert. Die österreichische Präsenz in der internationalen Schutztruppe sei wichtig gewesen. Stenzel: "Ich halte es für sinnvoll, diese Präsenz wieder aufzugreifen." Gelinge es nicht, das Land zu stabilisieren, werde dies in Europa nicht ohne Folgen bleiben, sagte die Europa-Parlamentarierin mit Blick auf die Drogenproblematik und die illegale Migration. Als wichtige Herausforderungen nannte sie den Demokratisierungsprozess, die künftige Verfassung, die Entwaffnung der Privatarmeen und die Ausdehnung der Autorität der Zentralregierung auf das ganze Land. Al Kaida sei zwar vertrieben, aber nicht aufgerieben worden, sagte Stenzel.

Hinsichtlich der für den Juni 2004 geplanten Wahlen erklärte sie: "Bevor man Wahlen hat, die eine Farce sind, sollte man die Wahlen verschieben. Es darf bei den Wahlen auch keine Einschüchterung der Frauen geben." Die Europäische Union sei einer der größten Geldgeber für Afghanistan und werde dies auch in Zukunft bleiben. Österreich sei ein "loyaler Helfer", der Schwerpunkte in der Entminung, der Geschlechtergerechtigkeit und der Drogenbekämpfung setze. Wichtig sei, dass die Hilfe für die Bevölkerung auch sichtbar werde, "sonst werden die Leute ungeduldig." Zumindest ein Teil der Einnahmen der Warlords müsse an die zentrale Autorität fließen, sagte Stenzel.

Nader: Drogenproblematik bekämpfen

Thomas Nader, im Außenamt für die multilaterale Entwicklungszusammenarbeit und die Afghanistan-Hilfe zuständig, berichtete beim Workshop "Frauen machen Frieden", dass Afghanistan nicht zu den Schwerpunkten der Entwicklungszusammenarbeit des BMaA zähle, weshalb es auch keine Tradition der Zusammenarbeit gebe. Bei der Afghanistan-Konferenz in Tokio habe Österreich 13 Mio. Euro zugesagt, davon 6,5 Mio. Euro zum Zweck der Entwicklungszusammenarbeit. Dazu kämen der Anteil Österreichs von 2,7% der EU-Gelder für Afghanistan und die großzügige Hilfe Österreichs für Flüchtlinge aus Afghanistan. Nader hob in seinem Referat besonders die Drogenproblematik hervor. Ein bis zwei Millionen Menschen in Afghanistan seien bei der Produktion beschäftigt. Während ein Beamter in Kabul einen US-Dollar am Tag verdiene, erhalte ein Pflücker zehn US-Dollar pro Tag. "Man kann die Drogenproblematik nur bekämpfen, wenn es einen starken Rechts- und Sicherheitsapparat und alternative Anbauprodukte gibt", sagte Nader. Gemeinsam mit dem Iran habe Österreich den Aufbau von Grenzkontrollstellen unterstützt. Dass der Iran massiv von der Drogenproblematik betroffen sei, zeige sich daran, dass selbst die offiziellen Stellen die Zahl der Drogenabhängigen mit drei Millionen Menschen angeben. Österreich baue aber auch Kindergärten auf, damit die Frauen die Chance hätten, einer Erwerbstätigkeit nachzugehen. Er hoffe, dass die öffentliche Verwaltung bei der Beschäftigung von Frauen die Speerspitze bilde, sagte der Experte des Außenamts.
Die politischen Vorgaben, die finanziellen Mittel rasch und sichtbar in Projekte umzusetzen, seien jedenfalls erfüllt worden. Ob es weitere Aufwändungen gebe, hänge nun von der Entscheidung der Politik ab.

Rauch-Kallat: Politische Bildung verstärken

Frauenministerin Maria Rauch-Kallat erinnerte an die spontane Gründung der Initiative "Frauen für Frauen" vor über zwei Jahren, um angesichts der Schreckensberichte über das Taliban-Regime die afghanischen Frauen zu unterstützen. "Den Frauen sollte die Möglichkeit eröffnet werden, von Beginn der Staatsgründung an in die politischen Entscheidungsprozesse eingebunden zu sein", erklärte Rauch-Kallat. Bei einer Wohltätigkeitsveranstaltung im Jahr 2001 habe man rund 43.000 Euro als Grundstock für die Initiative gesammelt. Mit dem Hilfswerk Austria als Kooperationspartner seien vor Ort Projekte realisiert werden, um Frauen einen eigenen Erwerb zu ermöglichen.
Ein wichtiges Anliegen sei es auch gewesen, in der politischen Bildung tätig zu werden, um Frauen die politische Teilnahme zu ermöglichen. Ein Netzwerk von Frauen in und außerhalb von Afghanistan stelle nun die weitere Zusammenarbeit sicher. Rauch-Kallat verwies darauf, dass in einem Arbeitsgespräch mit der afghanischen Frauenministerin Projekte im Bereich der politischen Bildung und der Ausbildung von Journalistinnen vereinbart worden seien. Es müsse möglich sein, auf Regierungs- und NGO-Ebene viele neue Projekte ins Leben zu rufen, sagte Rauch-Kallat.

Neubacher: Afghanistan hat Isolation überwunden

ÖAG-Generalsekretärin Brigitte Neubacher betonte in ihrem Überblicksreferat über die aktuelle Situation in Afghanistan, dass große Probleme bestünden und Afghanistan sich in einer schwierigen Übergangsphase befinde. Es bestehe aber "viel Hoffnung und Perspektive für eine bessere Zukunft." Als positive Entwicklung im politisch-demokratischen Prozess bezeichnete sie die neue Verfassung, die - wie keine andere in der islamischen Welt - Rechte der Frauen verankere. Zudem sei eine Volkszählung im Gange, Armee und Polizei würden mit Hilfe ausländischer Staaten aufgebaut werden. 100.000 Milizen der verschiedenen Warlords sollen demilitarisiert werden, die Regierung sei dabei, ein Steuersystem zu implementieren, berichtete Neubacher.
In der internationalen Staatenwelt habe Afghanistan seine internationale Isolation endgültig überwunden und auch internationale Konventionen ratifiziert. Die bei der Tokio-Konferenz zugesagten finanziellen Mittel würden jedoch bei weitem nicht reichen, Afghanistan brauche ein Vielfaches davon. Neben der Verminung des Landes, die noch über Jahrzehnte hinweg eine große Gefahr darstellen werde, würden viele Afghanen an Tuberkulose oder Tetanus sterben. Aufgrund des Kriegstraumas bestünde auch ein enorm hoher Bedarf an Psychopharmaka. Neubacher: "Auch HIV/Aids wird zum Problem. Wenn das nicht gestoppt wird, haben wir eine weitere Katastrophe in Afghanistan."
Im Bereich der Frauenprojekte sagte die ÖAG-Generalsekretärin, dass es zahlreiche gut gemeinte, aber nicht immer erfolgreiche Frauenprojekte gegeben habe. Frauen seien durch zusätzliche Arbeit vielfach überfordert. Projekte sollten sich auf Schulbildung, Weiterbildung und Einkommenssicherung für Witwen konzentrieren. "Angesichts der traditionellen Strukturen sollten Arbeitsplätze vor allem für junge Männer und ehemalige Milizen geschaffen werden", forderte Neubacher. Ihre Wunschliste, wie Österreich helfen kann, umfasst u.a. die Entsendung eines diplomatischen Vertreters und eines Vertreters der Wirtschaftskammer Österreich nach Kabul, mehr finanzielle Mittel, mehr Investitionen, die Entsendung österreichischer Experten für alternative Energiegewinnung und den Abbau von Bodenschätzen, Stipendien, aber auch Musikerziehung und kulturellen Austausch.

v.l.n.r.:
Rauschütz (Podium),
Sorabi,
Nesam,
Malyar,
Asef,
Robia

 

Sarabi: Afghanistan hat Fortschritte gemacht

Die afghanische Frauenministerin Habiba Sarabi verwies in ihrem Statement darauf, wie wichtig es sei, die Erwerbstätigkeit von Frauen zu ermöglichen und Frauen auch politisch zu trainieren. Zur Drogenproblematik stellte sie fest, dass die Armut viele Menschen in die Drogenproduktion treibe. Als große Probleme nannte sie die geringe Lebenserwartung, den Analphabetismus und die schlechte medizinische Versorgung. Dies betreffe vor allem Frauen. So seien 70% der Tuberkulose-Opfer Frauen. Die afghanischen Frauen würden auch unter der Tradition des Landes leiden, die keine Gleichberechtigung kenne. Soziale und häusliche Gewalt sei das Hauptproblem. Ihre Vision sei Afghanistan als friedvolles Land, in dem Frauen und Männer frei von Gewalt Sicherheit und Freiheit genießen könnten.

In den vergangenen eineinhalb Jahren habe man in Afghanistan durchaus Fortschritte gemacht. So werde die neue Verfassung Klarheit über den rechtlichen Status der Frauen schaffen. Heiraten und Scheidungen würden künftig staatlich registriert. Wer ein Verbrechen begehe, solle unabhängig von Tradition und Geschlecht dafür bestraft werden. Sarabi: "Wir tun unser Bestes, um Veränderungen zu erreichen. Aber es braucht viel Zeit, um Traditionen zu verändern. Die internationale Gemeinschaft übt Druck auf uns aus, weil sich nichts ändert." Man müsse nicht nur die Frauen bilden und erziehen, sondern auch die Männer. "Ohne die Hilfe der Männer ist es nicht möglich, dass die Frauen ihre Rechte verwirklichen können", erklärte die afghanische Frauenministerin.

Malyar: Es gibt Licht am Ende des Tunnels

Die Lebenssituation afghanischer Frauen und konkrete Verbesserungsmöglichkeiten standen im Mittelpunkt der Berichte mehrer afghanischer Aktivistinnen. Zerka Malyar vom Verein GURAF bilanzierte, der Sturz der Taliban sei zwar vom Westen als Beginn der Befreiung und Gleichberechtigung der Frauen in Afghanistan begrüßt worden, zwei Jahre später sehe die Realität aber noch immer ganz anders aus. Viele Frauen würden sich aus Angst vor Übergriffen noch immer nicht allein außer Haus wagen. Malyar: "Daran sind die USA nicht ganz unschuldig, weil sie die Warlords unterstützen, deren Armeen jetzt die Zivilbevölkerung terrorisieren." Große Probleme stellten die zerstörte Infrastruktur, der Analphabetismus und die Kindersterblichkeit dar. Der Aufbau von Mädchenschulen und Spitälern durch die internationale Hilfe seien für die Frauen sehr wichtig, diese wären jedoch mit dem Überleben beschäftigt und hätten keine Zeit, über die Teilnahme am politischen Geschehen nachzudenken.
Malyar berichtete, allein in Herat hätten sich in diesem Jahr 60 Frauen zwischen 15 und 25 Jahren wegen der schlechten Behandlung durch die Männer verbrannt. Ein weiteres Problem stelle die frühe Verheiratung junger Mädchen dar. Dennoch sehe sie ein Licht der Hoffnung. Mit ihrer Gesellschaft GURAF, die u.a. Hebammen ausbilde, wolle sie einen Beitrag leisten, um Entwicklungsmöglichkeiten und Selbstbestimmung für Frauen zu unterstützen und das "verstaubte Rollenbild von Männern und Frauen beeinflussen." Nicht kurzfristige spektakuläre Aktionen von Hilfsorganisationen seien wichtig, es müsse vielmehr dem Gestaltungswillen der Frauen in Afghanistan zum Durchbruch verholfen werden, forderte Malyar.

Nezam: Diskriminierung verbannen

Seema Nezam, berichtete, dass die Hauptopfer der Kriege in den letzten 23 Jahren vor allem Frauen und Kinder gewesen seien. Die Frauenrechte seien vergewaltigt worden. Frauen hätten es aber riskiert, im Untergrund als Lehrerin tätig zu sein oder medizinische Hilfe zu leisten. Heute stehe man am Anfang der Bürgerrechte auch für Frauen, wie sie die neue Verfassung vorsehen würden. Diese solle alle Formen der Diskriminierung verbannen. Gerade im konservativen ländlichen Bereich müsse dies endlich realisiert werden, forderte die Frau des afghanischen Botschafters. Wenn die Welt diesen Prozess nicht unterstütze, werde Afghanistan eine Bedrohung für die Welt.

Asef: Fanatismus gegenüber Frauen muss ein Ende haben

Nafisa Asef betonte die Wichtigkeit der Alphabetisierung von Frauen. Es habe schon früher Projekte gegeben, wo "sich Frauen eine Gruppe von Analphabeten organisiert und diese unterrichtet haben", berichtete sie. Diese Methoden könne man heute wieder einsetzen. Es bestehe ein Bedarf an 25.000 Lehrerinnen. Dringend notwendig seien auch berufsbildende Schulen. Die Perspektivenlosigkeit der Landbevölkerung bewirke einen Strom nach Kabul. Für das nächste Jahr sei in Kabul der Bau von 380 Schulen geplant, dies erhöhe die Attraktivität der Hauptstadt natürlich weiter, sagte Asef. Die finanzielle Lage vieler Eltern erlaube aber nicht einmal die Anschaffung von Unterrichtsmitteln. Nasef verwies auch auf die gesundheitspolitischen Herausforderungen: "Die meisten Schulkinder haben nicht einmal eine Zahnbürste. Minen und der Krieg haben dazu geführt, dass Kinder selbst verletzt wurden und ihre Eltern verloren haben." Nach Berichten von Menschenrechtsorganisationen befänden sich Frauen noch immer in Gefangenschaft bzw. würden ihnen Grundrechte verwehrt. Obwohl keine Ganzkörper-Verschleierungspflicht bestehe, würde ein Großteil der Frauen die Burka tragen. "Die Frauen verlangen nach Meinungsfreiheit und nach einem Ende des Fanatismus ihnen gegenüber. Sie sollen die Möglichkeit haben, beim Aufbau ihres Landes mitzuwirken", sagte Nasef. Ohne Frauen werde es keinen Frieden geben.

Robia: Situation "wie in der Steinzeit"

Ayni Robia vom Verein der Frauen und Kinder Afghanistan berichtete, dass das allgemeine Gesundheitswesen schon seit dem letzten Jahrhundert sträflich vernachlässigt worden sei. Bereits vor 1978 habe es kaum Krankenhäuser, dafür aber Armut und Mangel an Nahrung gegeben. Robia: "Darunter haben besonders die Frauen gelitten, denn in Afghanistan essen zuerst die Männer, dann die Kinder und dann, wenn etwas übrig bleibt, die Frauen." Die derzeitige Situation Afghanistans müsse man "leider mit der Steinzeit vergleichen." Um jenen Mädchen zu helfen, die bisher nicht in die Schule gehen konnten, habe ihre Initiative eine entsprechende Schule gegründet, berichtete Robia. Das Land brauche finanzielle Mittel und Experten aus den Industrieländern. Jeder Afghane könne ungeachtet der ethnischen Zugehörigkeit etwas zum Wiederaufbau beitragen, forderte sie.

v.l.n.r.:
Burkhart, 
Semler, 
Habersack, Schlaffer, 
Kirchner, 
Wartha

Wartha: Impulse zur gesellschaftlichen Veränderungen geben

Unter dem Titel "Von gut gemeintem Geldsammeln zu nachhaltigen Projekten" präsentierten Vertreter/innen von Hilfsorganisationen beim Workshop "Frauen machen Frieden" ihre Erfahrungen und Strategien bei der Unterstützung afghanischer Frauen. So erklärte die Leiterin der Katastrophenhilfe der Caritas, Sabine Wartha, im Gegensatz zur Entwicklungszusammenarbeit sei bei der Katastrophenhilfe rasches Handeln gefragt. Besonders wichtig sei es, Frauen bestmögliche Stabilität und Sicherheit zu bieten, da sie für die Sicherung der Lebenserhaltung und das Überleben der Familie sorgten. Damit könnte die Katastrophenhilfe arbeiten. Standards für Unterkünfte, wie etwa die rasche Erreichbarkeit von Wasserstellen, oder die Integration von Frauen in lokale Entscheidungsprozesse spielten eine wichtige Rolle. Die Einbindung von Frauen in die Verteilung von Hilfsgütern und der Einsatz weiblichen Personals sei auch deshalb wichtig, weil Frauen und Mädchen bei der Verteilung von Hilfsgütern oft diskriminiert würden, berichtete Wartha. Durch den bewussten Einsatz weiblichen Personals und durch die Schulung und Weiterbildung von Frauen könne man in der Katastrophenhilfe bereits Impulse für die Veränderung des Gesellschaftsbildes setzen. Wichtig seien auch Aktivitäten zur psychologischen Betreuung von Frauen, weil die Gewalt in Kriegszeiten für sie viel Stress verursache, sagte die Katastrophenhilfe-Expertin der Caritas.

Kircher: Humanitäre und militärische Aufgaben nicht vermischen

Ingrid Kircher von "Ärzte ohne Grenzen" berichtete, dass der Überlebenswille der afghanischen Bevölkerung beeindruckend gewesen sie. Auch ihre Organisation habe auf die Einbindung lokalen Personals gesetzt, weil dadurch auch die lokalen Kapazitäten gestärkt würden. Neben der medizinischen Versorgung von Flüchtlingen, der Unterstützung von Spitälern, Impfkampagnen und Ernährungszentren für unterernährte Kinder sei der Aufbau von der Gesundheitsvorsorge in entlegenen Zentren ein wichtiges Anliegen ihrer Organisation. Als großes Problem bezeichnete Kircher die mangelhafte Infrastruktur. Die Menschen müssten oft tagelange Fußmärsche absolvieren, um medizinische Versorgung zu erhalten. Weil sie familiäre Verpflichtungen hätten und nicht ohne männliche Begleitung aus dem Haus gehen könnten, suchten Frauen medizinische Hilfe erst meist sehr bzw. zu spät auf. Die Frauensterblichkeit sei deshalb um ein Vielfaches höher als in der westlichen Welt. Deshalb setzten "Ärzten ohne Grenzen" auf mobile Kliniken. Eine besondere Rolle neben der Ausbildung von medizinischem Hilfspersonal spiele die Bewusstseinsbildung in den Dörfern. "Wir sprechen mit den Mullahs und versuchen sie zu überzeugen, dass etwa das frühe Heiraten und Schwangerschaft auch aus medizinischen Gründen problematisch ist", sagte Kircher. Vor allem für entlegene Gebiete sei es schwierig, Personal zu finden. Die Ernährungszentren hätten sich auch deshalb bewährt, weil sie es möglich machten, mit den Frauen ins Gespräch zu kommen. Als problematisch bezeichnete Kircher die zunehmende Vermischung von humanitären und militärischen Aufgaben. "Das birgt die Gefahr, dass wir Hilfsorganisationen nicht mehr als unabhängige Akteure gesehen werden und das Vertrauen in uns gefährdet wird. Es gibt leider auch zunehmend Angriffe auf Hilfsorganisationen. Wir fordern daher eine strikte Trennung der Rollen", sagte sie. Damit die afghanische Bevölkerung eine sichere Zukunft habe, brauche es ein nachhaltigeres Engagement der internationalen Gemeinschaft.

Habersack: Headhunting zwischen Organisationen ist Problem

Herbert Habersack von der Hilfsorganisation Öko-Himal berichtete über die Bildungsaktivitäten seiner Organisation, die sich vor allem auf die schulische Bildung von Mädchen konzentrieren. Man arbeite mit klarem regionalen Fokus, um keine Management-Ressourcen zu vergeuden. Betrieben werde zur Zeit der Bau zweier Schulen, einer gemischten Schule und einer Schule nur für Mädchen. Ab März werde man in Kooperation mit den Vereinten Nationen "school feeding" anbieten, wobei es für Eltern durch Speiseöl-Rationen besondere Anreize geben werde, ihre Töchter zur Schule zu senden. Auch Habersack berichtete von großen Schwierigkeiten, afghanische Mitarbeiterinnen zu finden. "Es findet ein Headhunting zwischen den Hilfsorganisationen statt. Während ein afghanischer Lehrer 30 US-Dollar im Monat erhält, können qualifizierte Afghanen bei Hilfsorganisationen zwischen 700 und 900 US-Dollar im Monat verdienen", sagt er. Ein großes Problem bei der Personalrekrutierung stellten auch die Stammes- und Familienloyalitäten dar. Hilfsorganisationen liefen Gefahr, in entsprechende Konflikte hineingezogen zu werden. Als weitere Mängel nannte Habersack die "sehr dünne Kapazität der afghanischen Behörden", die fehlende Rechtssicherheit, politische Mehrfachstrukturen und die unterschiedlichen Strategien der NGOS. "Viele isolieren sich und machen nur ihre eigenen Projekte", kritisierte er. Um Doppel- und Mehrfachgleisigkeiten zu vermeiden, sei eine umfassende Koordination notwendig. Ein besonderes Problem stelle die Position der Frau in der ländlichen Gesellschaft dar. Nach wie vor müsse man Mauern um Schulgebäude für Mädchen errichten. "Wir hätten gerne Unterstützung durch gebildete Männer", sagte Habersack.

Schlaffer: Große Interesse an Wahlinformation

Edith Schlaffer von "Frauen ohne Grenzen" berichtete, dass die Probleme in Afghanistan "überwältigend" und die Sicherheit das Schlüsselthema sei. Mit "Frauen ohne Grenzen" wolle man eine Plattform für die grenzüberschreitende Kooperation von Frauen bieten. Schlaffer: "Frauen können etwas weiterbringen, wenn sie zusammenarbeiten. Wir machen daher Projekte mit Multiplikatorwirkung."
Als konkrete Projekte nannte sie ein Wahlvorbereitungsprojekt für Frauen, mit dem sichergestellt werden soll, dass Frauen von Anfang an in die politische Entscheidungsfindung integriert sind. Dabei werde Frauen erklärt, wie Wahlen funktionierten, worum es dabei gehe und wie man wähle. "Das schwierigste dabei war, die Männer dafür zu gewinnen. Unser wichtigstes Argument war, dass es keinen Widerspruch zum Islam gibt", berichtete Schlaffer. Das Interesse der Frauen an diesem Projekt sei sehr groß, Österreich sei zudem das erste Land, das ein solches Projekt realisiere. "Die Welt schaut darauf, dass es keine Demokratie mehr ohne Frauen geben kann", erklärte die Wissenschafterin. Als weiteres Projekt nannte Schlaffer die Förderung des Basketball-Sports für Mädchen. Diese Sportart habe Tradition in Afghanistan, "und die Burschen bekommen ein anderes Bild von den Mädchen", erklärte Schlaffer.

Burkart: Hilfe zur Selbsthilfe geben

Heidi Burkart vom Hilfswerk Austria zeichnete den Beginn der Hilfswerk-Aktivitäten in Afghanistan nach. Bereits nach dem 11. September 2001 habe man überlegt, wie man in Afghanistan helfen könne. So wurde in Tadschikistan eine alte Textilfirma reaktiviert, um Decken und Winterkleidung zu produzieren, die dann im Dezember 2001 bereits in Afghanistan verteilt werden konnten.
Das Hilfswerk Austria konzentriere sich bei seinen Aktivitäten vor allem auf die Bereiche Bildung und das Schaffen von Arbeit. Neben der Reaktivierung bestehender Schulen habe das Hilfswerk im März 2002 eine Schule für 1200 Mädchen eröffnet. "Parallel dazu haben wir uns um erwachsene Frauen bemüht, etwa durch traditionelle Handwerkausbildungen und die Zurverfügung-Stellung entsprechender Maschinen", berichtete Burkart.
Neben praktischer Alltagshilfe unterstütze das Hilfswerk Austria auch eine große afghanische Frauenorganisation für Witwen und Rückkehrerinnen durch Bildungsaktivitäten. "School feeding" steigere den Schulbesuch um mindestens 10%, bilanzierte die Hilfswerk-Expertin. Als Hauptprobleme bei der Hilfe nannte sie die mangelnde Kommunikation und Infrastruktur. Dies habe finanzielle Konsequenzen, weil es den Durchführungsaufwand höher mache. Sie plädierte für "größere, gut koordinierte Programme, dann können wir gute Hilfe zur Selbsthilfe leisten."

Semler: Mit wenig Mitteln viel bewegen

Renate Semler vom Vienna Institute for Development and Cooperation (vicd) erläuterte die Arbeit des von ihrer Organisation verwalteten Fonds, mit dem das Außenministerium Solidaritätsgruppen unterstütze. "Kleinprojekte, die wir unterstützen, können impulsgebend sein. Auch mit wenigen Mitteln kann man viel erreichen," sagte sie. Gruppen, die sich für Mittel aus dem Fonds interessierten, stünde ein umfassendes Arbeitsbuch zur Verfügung (gender@vidc.at). Gruppen sollten sich bei der Projektentwicklung u.a. überlegen, was unter Entwicklung und Partnerschaft verstanden werde, auf welche Weise man Ziele verfolgen wolle, welche Ressourcen man nützen könne, welche Erfahrungen vorhanden seien und welche Potentiale die Projektdurchführenden hätten. Bei der Beantragung von Fondsmitteln sei es notwendig, die regionalen und sektoralen Schwerpunkt der österreichischen Entwicklungszusammenarbeit zu beachten. Vergeben werden könnten Mittel bis max. 7300.- Euro, erklärte Semler.

v.l.n.r.:
Khogiani,
Hak Hagir
Moller-Linsler

 

Khogiani: Männer und Frauen bilden

Am zweiten Tag des Workshops standen Missstände und konkrete Maßnahmen zu deren Verbesserung im Mittelpunkt der Referate und Diskussionen.
Der Arzt Nasim Asef Khogiani, der mit Unterstützung der Caritas Austria ein Spital in der Nähe von Jalalabad betreut, berichtete über die Rahmenbedingungen seiner Arbeit. Im vergangenen Jahr habe sich einiges zum Positiven verändert. Das Gesundheitsministerium sei in der Lage, Gehälter zu zahlen, wenngleich diese nach wie vor zu gering seien.
Das Spital mit einem Einzugsgebiet von 350.000 Menschen werde von 400 Patienten täglich besucht. Die Frauen kämen auch ohne Ehemänner, berichtete der Arzt, der sich gegenwärtig in Österreich in medizinischen und in Verwaltungsfragen weiterbildet. Künftig wird es in seinem Spital auch ein "mental health"-Programm geben, denn gerade Frauen litten an posttraumatischem Stress und an Depressionen als Folgen des Krieges. Khogani plädierte dafür, dass nicht nur für die Bildung der Frauen, sondern auch für die Bildung der Männer etwas unternommen werden müsste.
Zur Finanzierung von Medikamenten und Geräten gebe es im Spital ein Cross-Sharing-System, wodurch sich die Patienten an der Finanzierung beteiligten. Personen ohne finanzielle Mittel würden kostenlos behandelt. Dieses System ermögliche dem Spital Einnahmen von 3000 bis 4000 US-Dollar.
Khogiani warnte vor einem Abzug der internationalen Truppen. "Wenn dies geschieht, dann werden sich die Warlords wieder bekämpfen", sagte er. Er kritisierte zudem, dass es unter den im Ausland lebenden Afghanen sehr unterschiedliche Meinungen und gegenseitige Behinderungen gebe. "Das schadet den Afghanen nur. In Afghanistan diskutiert man gar nicht über diese Probleme, weil fast alle an der Zerstörung beteiligt waren", so Khogiani. Man müsse einen Schlussstrich ziehen und das Land gemeinsam neu aufbauen, forderte er.

Hak Hagir: Große Misstände im Gesundheitssystem

Der nach 37 Jahren im Exil erstmals wieder im September dieses Jahres nach Afghanistan gereiste Arzt Abul Hak Hagir - er will in seiner Heimat ein Krankenhaus aufbauen - präsentierte eine lange Liste von Missständen. Infrastruktur und Bildungssystem seien zerstört, es gebe eine massive Luft- und Umweltverschmutzung und eine zerstörte Kanalisation. Das Ergebnis seien Infektionskrankheiten. Das Gesundheitssystem sei durch eine zu kurze medizinische Ausbildung gekennzeichnet, es gäbe veraltete Krankenhäuser und gravierende psychische Traumata. Sehr problematisch seien auch Korruption und Anarchie. "Die Machthaber pflegen ihre eigenen Interessen und unterstützen das gesetzwidrige Vorgehen ihrer Anhänger und Freunde. Bestechung gehört zur Tagesordnung", kritisierte Hak Hagir. Positiv bewertet er, dass er in den großen Städten ein pulsierendes Leben und ein ausreichendes Angebot an Grundnahrungsmitteln vorgefunden habe. Er hoffe, dass "dieses fleißige Volk das Land wieder aufbauen und dem Elend Herr werden kann".

Moller-Linsler: Es gibt kein Frauen-, sondern ein Männerproblem

Von ihren Erfahrungen bei Recherchen für ein Theaterstück berichtete die eben erst aus Afghanistan zurückgekehrte Autorin Renate Moller-Linsler. Sie sei vor ihrer Reise gewarnt worden, das Land alleine zu bereisen, doch keine der Warnungen habe sich bewahrheitet. "Ich habe nur offene, neugierige Menschen kennengelernt, mir ist viel Bewunderung entgegengebracht worden", sagte sie. Sie sei allerdings sehr schnell dahinter gekommen, dass diese Bewunderung nur ihr als West-Frau gelte, während die afghanischen Männer ihre Frauen nicht ernst nehmen würden. "Das ist das Grundübel der afghanischen Gesellschaft. Es gibt kein afghanisches Frauenproblem, es gibt ein afghanisches Männerproblem. Es wird sehr schwer werden, die Herren umzuerziehen", resümierte Moller-Linsler.
Andererseits habe sie die Erfahrung gemacht, "dass die Leute schnell lernen und unglaubliche Leistungen erbringen, wenn sie ein Ziel vor sich haben". Die Bildungsvermittlung müsse auch auf einer spielerischen Ebene geschehen. Moller-Linsler nannte dabei Aufführungen afghanischer Schauspieler zum Thema Familienplanung, Hygiene und Umwelt. Die Wissbegierigkeit und Intelligenz des afghanischen Volkes müsse jedenfalls genützt werden, sagte sie.

Arbeitskreise münden in konkrete Projekte

In vier Arbeitskreisen zu den Themen Bildung, Gesundheit, Einkommen und Konfliktlösung arbeiteten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Workshops schließlich konkrete Strategien und Maßnahmen für Kooperationen mit Afghanistan aus.

Bildung: Ein konkretes Ergebnis des Arbeitskreises Bildung ist, dass ein Projekt initiiert wird, um überzählige Buchbestände der Universität Wien der Universität von Kabul zur Verfügung stellen zu können, berichtete Theresa Philippi von "Frauen für Frauen". Mit der Bildung müsse noch vor der Schule begonnen werden, hieß es. So würde eine Kindergärtnerinnenausbildung für afghanische Frauen einen wichtigen Beitrag für die Erziehung der nächsten Generation leisten. Neben der Herstellung von Unterrichtsbehelfen in Afghanistan wurde auch gefordert, dass die Schulen weitere Versorgungsaufgaben - Essen, Kleidung, Impfungen - übernehmen. In den Schul- und Kindergartenbetrieb sollten die Eltern einbezogen werden. Für Frauen solle es Kleinkredite und Vertriebs-Know-how für hergestellte Produkte geben. Lokale Produkte seien in das "Fair Trade"-System miteinzubeziehen. Um möglichst viele erwachsene Frauen mit Bildung zu versorgen, sollten Bildungsprogramme über Radio und Fernsehen distribuiert werden. Die Alphabetisierung solle mit Wissen über Hygiene, Handwerkstechniken oder Familienplanung kombiniert werden, forderte der Arbeitskreis zum Thema Bildung.

Gesundheit: Als wichtiges Thema zur Verbesserung des Gesundheitsangebotes ermittelte der Gesundheits-Arbeitskreis die medizinische Weiterbildung. Zu diesem Zweck solle Studierenden an der Universität von Kabul Unterrichtsmaterialien unentgeltlich zur Verfügung gestellt werden. Beim Aufbau des Gesundheitssystems könnten auch im Ausland lebende Afghan/innen Hilfe leisten. Einige junge Teilnehmerinnen des Arbeitskreises hatten sich dazu bereit erklärt. Auf regionaler Ebene wäre es in der Region Khogiani, in der sich Österreich besonders engagiert, sinnvoll, eine komplette medizinische Versorgungskette einzurichten - vom lokalen "health worker" mit grundlegenden medizinischen Kenntnissen und Hebammen über lokale "health center" bis hin zum Spital. Wichtig sei auch das geplante Angebot im Bereich "mental health". Die bestehende Kooperation mit der Welternährungsorganisation solle jedenfalls weitergeführt werden.
Auf nationaler Ebene, so die Vorschläge des Arbeitskreises, erscheine eine Dezentralisierung des Gesundheitswesens als sinnvoll. Auf lokaler Ebene soll es eine bessere Kooperation und Steuerung mit den NGOs geben, die sich schwerpunktmäßig auf den Gesundheitsbereich konzentriert haben. Das medizinische Personal soll nicht vom lokalen Machthaber, sondern von einem Direktor für Gesundheit ausgewählt werden. Dies sichere die ausreichende Qualifikation des Personals und verhindere Korruption und "Freunderlwirtschaft." In Folge des Arbeitskreises konstituierte sich eine Arbeitsgruppe zum Thema Gesundheit, die sich mit konkreten Maßnahmen beschäftigen will.

Einkommen: Als Maßnahmen zur Ermöglichung von Erwerbseinkommen für Frauen schlug der Arbeitskreis zum Thema die Konzentration auf Kleinprojekte und Mikrokredite vor. Sowohl Österreicher/innen als auch Exil-Afghan/innen sollten sich um wirtschaftliche Kooperationsprojekte bemühen. Produkte, die afghanische Frauen herstellten, sollten so in der westlichen Welt vertrieben werden. Einkommen für Frauen werde auch durch die Ausbildung zu Kindergärtnerinnen und Lehrerinnen geschaffen. Auch der rechtliche Beistand von Frauen durch Anwältinnen sichere Einkommen, hieß es. Vorgeschlagen wurde auch, Waisen Land zu schenken. Ein Hektar Land kostet in Afghanistan ca. 1500 US-Dollar. Als konkretes Ergebnis des Arbeitskreises formierte sich eine Arbeitsgruppe zum Thema "Micro-Projekte", die sich künftig in vierteljährlichen Intervallen treffen wird.

Konfliktlösung: Der Arbeitskreis zum Thema Konfliktlösung konzentrierte sich auf Konflikte, mit denen sich NGOs befassen müssen, die sich um Frauen und Kinder kümmern. Als Problembereiche wurden etwa der Umgang mit unterschiedlichen Kulturen und der afghanischen Geschichte identifiziert. Den Helfer/innen fehle oft die Aufmerksamkeit für afghanische Themen. Die Rolle von Religionen müsse sensibel und mit Respekt behandelt werden. Vor Beginn eines Hilfsprojektes solle auf die kulturelle Einweisung der Mitarbeiter/innen geachtet werden. Dazu schlug die Arbeitsgruppe die Entwicklung eines Handbuches vor, was ein eigener Arbeitskreis weiter verfolgen wird. Die kulturelle Sensibilisierung könne ein wichtiges Kriterium bei der Vergabe von Förderungen sein, hieß es. Bei der Auswahl von Mitarbeiter/innen, die mit Konfliktregelungen zu tun haben sollen, müsse auf eine respektvolle Haltung geachtet werden. Gefordert wurden weiters Hilfsprojekte zu verbindenden Themen, beispielhaft wurde die österreichische Musikschule in Kabul genannt, die von Österreich zwischen 1960 und 1971 unterstützt worden ist. Eine Gruppe des Arbeitskreises wird sich mit diesem Thema weiter beschäftigen. Von Bedeutung sei auch der wissenschaftliche Austausch. Als best practice wurden das amerikanische Projekt "No Harm" genannt, das Hilfsorganisationen unterstützt, ihre Projekte so umzusetzen, dass dadurch bestehende Konflikte nicht verschärft werden (www.cdainc.com). Auch die Konfliktfähigkeit der NGOs müsse gestärkt werden, etwa durch Konfliktmanagement-Seminare. Von großer Bedeutung sei auch eine Plattform für den Austausch persönlicher und professioneller Erfahrungen. Die Vertretung afghanischer Interessen in Österreich sei zu verbessern, hier gebe es "zu viele Reibereien", die auch das Lukrieren von Fördergeldern erschwerten. Hilfreich für Frauen sei wohl auch, Mirjam, die im Islam die Mutter des "Propheten" Jesus und sehr anerkannt ist, im Sinn eines positiven Frauenbildes einzusetzen.