Institut für UMWELT-FRIEDE-ENTWICKLUNG

Friede im 21. Jahrhundert - Eine Entwicklungspolitische Herausforderung?

 

Wien (ppr) - In Kooperation mit der Politische Akademie und dem Grazer Büro für Frieden und Entwicklung, lud das Institut für Umwelt, Friede und Entwicklung (IUFE) am 22. Juni 2001 zu einer Konferenz.

Bei der Podiumsdiskussion "Entwicklungszusammenarbeit als Friedenspolitik?" brachten die Diskutanten, unter der Leitung von Helmut Waldert, verschiedenste interessante Thesen auf. Nach Dr. Ronald Tuschl (Österreichisches Studienzentrum für Frieden und Konfliktlösung) ist "Entwicklung die Voraussetzung für Frieden" und umgekehrt. Der Friedens- und Entwicklungsbegriff beruhe auf einem eurozentristischen Weltbild und folglich nur schwer auf andere Kulturen ummünzbar. Darum sei es seiner Meinung nach "wichtig, pluralistische, kleine Konzepte zu entwerfen". Es gibt keine global anwendbaren Patentrezepte. Dr. Peter Hazdra vom Institut für internationale Friedenssicherung der Landesverteidigungsakademie erwiderte, dass insbesondere die Nicht-Universalisierbarkeit von Menschenrechten oft die Argumentationslinie von Diktatoren sei.

Der Direktor des Institutes für Frieden und Entwicklung, Prof. Franz Nuscheler, beklagt, dass Experten und Parlamente weltweit tolle Analysen hätten, doch die Umsetzung fehlt. Entwicklungszusammenarbeit könne nicht mehr bilateral erfolgen, Nuscheler fordert ein europäisches koordiniertes, langfristiges Denken ein. Auch Hazdra beklagt die Unstrukturiertheit und mangelnde Koordination der Aktivitäten. 

Die Diskutanten waren sich einig, dass die Frage zu klären sei, ob von Entwicklungspolitik gesprochen wird und Investitionspolitik gemeint ist. Investoren stoppen ihre Mittel, sobald die Folgen der Investition unter ihren Erwartungen bleiben. So kommt es zu wirtschaftlichen Krisen unter denen die Bevölkerung noch mehr leidet, war der gemeinsame Tenor. An dieser Stelle appellierte Dr. Marie Biloa (African International) an die Moral der finanzstarken Staaten: "Entwicklungshilfe darf keine wirtschaftliche Motivation haben, sondern muss eine moralische Verpflichtung sein." Entwicklungszusammenarbeit sei nicht länger als internationale Sozialhilfe misszuverstehen, bringt ein Tagungsteilnehmer ein, es gehe vielmehr um eine Weltentwicklungspolitik. 

Österreichs Aktivitäten in der Entwicklungszusammenarbeit wurden von Abg. z. NR Dr. Leiner dargebracht. Er verwies auf den Erlass von 80% der Schulden der ärmsten Länder. Abschließend lädt er die Veranstalter noch zu einer gemeinsamen Diskussionsveranstaltung und zur weiteren Zusammenarbeit mit dem parlamentarischen Ausschuss ein.


v.l.n.r.: Gärtner, Biloa, Kumpfmüller, Nuscheler

 

 


v.l.n.r.: Doujak, Michal-Misak, Waldert, Hazdra